Märchen aus dem Wendland

Es war einmal ein stolzer Held mit Namen Breustian, der lebte im Lande der Teichlosen hinter den sieben Himbergen und weil Helden heutzutage nicht mehr gebraucht werden, war Breustian seit seiner Ausbildung arbeitslos. Eines Tages aber vernahm er die Botschaft, der mächtige aber äußerst ängstliche Fürst Gohlefanz habe eine Belohnung auf den Tod des berüchtigten Ungeheuers Gollau ausgesetzt, und zwar 23,16 Gülden sowie die Hand seiner Tochter Braudel (die war ihr vor drei Jahren von Gollau abgebissen worden). So zögerte Breustian nicht lange und stand bald darauf vor dem Tor des Fürstenpalastes. „Allmächtiger Gohlefanz!“, rief er lauthals, „beweg deine dicke Schlanze her, denn ich werde Gollau eigenhändig zeigen, wo die Nieper fitzt, so wahr ich Breustian von den Teichlosen bin.“ Als waschechter Held hatte er natürlich keine Schulbildung genossen und so zeigte sich der Fürst von seiner plumbohmen Sprache reichlich irritiert. „Was störst du meine Mittagspause, du dumstorfender Schreyahn?“, jamelte er. „Mir scheint, dein Verstand ist trüber wie Waddeweitz, wenn du hier so dickfeitzen musst. Dass ein Krummasel wie du dem Untier Gollau Dünsche machen will ist wohl der größte Bankewitz der Geschichte!“ „Pah, du wirst schon noch ins Lübeln kommen“, unterbrach Breustian seinen Redemoißel. „Durch meine Nüdlitzen musste schon so manches Ungeheuer in die Redde beitzen“, lüchowte er, ohne mit der Wimper zu zucken. Dann spranzte er aus der Stadt, dass die Haaßeln nur so seebten.

Drei Tage später hatte sich Breustian hoffnungslos verirrt, seine Haut war von den vielen Pommoisseln gerötet, seine Kleidung von Maddau besudelt. Gerade wollte er sich niederlassen und sein letztes Stück Schmarsau varbitzen, da hörte er plötzlich ein dumpfes Gollern. Wie vom Meudelfitz getroffen zeetzte Breustian durch den Wald, kakaute sich hinter einige Neetzen und erspähte schließlich ein großes, dunkles Tier – wiewohl, es war Gollau!

Mit einem Kampfschrei, der die Bäume wibbesen ließ, zückte Breustian seine Nüdlitzen, um sie dem Untier in die Midde zu feizen, denn es war stets einfacher, den Gegner rasch zu meuchefitzen und dann vor den Volkfien mit erlüchowten Geschichten zu proitzen. Doch Gollau war kriwitzter als Breustian gedacht hatte: In einem Moment noch in seiner Suhlendorfe darsekauend sprang er plötzlich in einem einzigen Landsatz hervor und pretzetzte Breustian mit seinen bombigen Klautzen. Dermaßen in die Pannecke gedrängt war Breustian dem reitzigen Monster hilflos ausgeliefert. Der Druck seiner Klautzen raubte ihm den Atem, von den immer näher kommenden Kiefen troff glibberiger Meußließen und es stank nach Ranzau. Endlich aber entsann sich der Held einer uralten Sage, die ihm sein Lehrer Penkefitz einst erzählt hatte und die besagte, dass Gollau ausschließlich an seinen Klöterhörnern zu zebelinen sei. Mit letzter Kraft befreite Breustian seine Hände aus den Klautzen des Untiers, schob sich auf dessen Platenlaase und wittfeizte dessen Klöterhörner. Und tatsächlich: Gollaus Kräfte ließen umgehend nach, Breustian griff nach seinen Nüdlitzen und wedderte dieselben mitten in Gollaus aufgeblasenen Schmardau. Das Untier tüschauerte und blass-gelber Pudripp ergoss sich aus der Wunde. Breustian aber kehrte umgehend zu dem Fürsten zurück, der die ganze Zeit den faulen Lensian gemacht hatte. Nachdem Breustian von dem Tobringen mit dem Ungeheuer berichtet hatte, gab es ein Festmahl mit Gamehlen und köstlichen Probien aus aller Herren Länder. Der Fürst hielt sein Versprechen. Breustian aber hatte sich ohne es zu merken an Gollaus Pudripp mit der schrecklichen Kroetze infiziert und starb zwei Wochen später. Schadewohl!

September 2004