Ecuador 7 – Geld

In Ecuador gibt es drei gültige Währungen: den US-Dollar, den ecuadorianischen Dollar und Chiclets. Letztere bekommt man manchmal als Wechselgeld heraus, kann dann aber nicht mehr damit bezahlen, denn Chiclets schmelzen in der Hitze wie Kaugummis, was ganz einfach daran liegt, dass Chiclets Kaugummis sind. Allerdings hat diese Währung den unschlagbaren Vorteil, dass sie keiner hohen Inflationsrate unterliegt, auch wenn durch die Umstellung alles um ein Vielfaches teurer ist als zuvor.
Der ecuadorianische Dollar ist rein monetär genau dasselbe wie der US-Dollar, in Wahrheit aber deutlich sympathischer, weil nur als Münzen verfügbar und daher nicht so schmuddelig wie die Dollarnoten. Das Sprichwort „Geld stinkt nicht“ entpuppt sich in Ecuador nämlich als dreiste Lüge, denn die Dollarnoten sind, wie man es (oder sie) auch dreht und wendet, schleimige, klebrige und miefende, also durchweg ekelhafte Drecklappen, die arme Leute als Einkaufszettel verwenden und reiche als Klopapier. Man würde sie am liebsten sofort wegwerfen, wenn sie nicht so verdammt wertvoll wären.

Trotz der Übernahme dieser fremden Währung besaßen die ökonomischen Entscheidungsträger immerhin noch den Stolz, ihre eigenen Dollarmünzen mit eigenen Zeichen zu prägen. Bisher hat allerdings noch niemand versucht, mit ecuadorianischen Centavos in den USA zu bezahlen, denn mit ziemlicher Sicherheit interessiert sich dort keiner für solche Spinnereien und man würde als Geldfälscher lebenslänglich ins Gefängnis gesperrt werden.
Aber auch im Land selbst ist der Umgang mit Geld nicht ganz unproblematisch:
An Bares zu kommen ist nahezu ausgeschlossen, das Einlösen von Travellerschecks eine schiere Unmöglichkeit. Zwar besitzen sogar in Ecuador die Banken einen gewissen Geldvorrat, denken aber nicht im Traum daran, etwas davon abzugeben, schon gar nicht gegen ein paar Papierfetzen, auf die jemand einen Gringo-Offizier mit Punkerfrisur gezeichnet hat.
Um an sein Geld zu kommen sollte man darum besser den Angestellten einer Apotheke oder einer zwielichtigen Bar bestechen (4 – 5 % der Tauschsumme reichen meistens aus), mehr als 50 Dollar gibt es dort aber nicht zu holen. Darüber hinaus sind sich die Bestochenen ihrer guten Verhandlungsposition bewusst und dermaßen pingelig, dass sie die Annahme verweigern, falls die Unterschrift zur Gegenzeichnung auch nur die winzigste mikroskopische Abweichung aufweist. Der einzige Ausweg besteht darin, sich einige Stunden lang in einem Hotelzimmer einzuschließen und sich dem absurden Versuch zu widmen, die eigene Unterschrift zu fälschen.

Eine weitere Strategie, mehr oder weniger rechtschaffen an Geld zu kommen, das herkömmliche Abheben vom deutschen Konto per EC-Karte, funktioniert ebenfalls nur sehr eingeschränkt. Zwar gibt es entsprechende Automaten und sie nehmen die Chipkarte auch durchaus an, geben sie dann aber leider nicht mehr her. In diesem Fall sollte man am besten ein bis zwei andere Karten nachschieben und den Automaten mit gezielten Stößen malträtieren, bis er genug hat und sein einzigartiges Menü offenbart: Neben den unbrauchbaren Punkten „Überweisung“ und „Abbrechen“ findet man einen „großen Betrag“ und einen „kleinen Betrag“ ohne genauere Spezifizierung zur Auswahl. Wählt man den kleinen Betrag, bekommt man ganze 20 Dollar und seine Karten zurück, was sich hinter dem großen Betrag verbirgt, ist bislang nicht bekannt; schließlich bringt niemand den Mut auf, den Verlust seiner Bankkarte noch einmal zu riskieren. Die Transaktion kostet stolze drei Dollar Gebühren und starke Nerven und funktioniert natürlich nur, wenn zufällig ein solcher Automat in der Nähe ist. Die Wahrscheinlichkeit dafür liegt jedoch etwa in der Größenordnung eines Lottogewinns.

Ganz fatal wäre es nun aber, daraus die Konsequenz zu ziehen, von Anfang an nur Bargeld auf die Reise mitzunehmen; die professionellen Taschendiebe in Quitos Straßen wittern eine Hundertdollarnote zehn Kilometer gegen den Wind. All diese widrigen Umstände führen zu der ausweglosen Situation, dass man wohl oder übel unter chronischem Geldmangel leidet. Immerhin gibt es damit etwas, das einen mit den Einheimischen verbindet. Und für Leute, die ihre verschwenderische Ader zum Versiegen bringen wollen, ist ein Aufenthalt in Ecuador sogar eine optimale Therapie.
Das Problem ist allerdings nicht nur, dass man kein Geld hat, sondern dass auch die Ecuadorianer keines haben, denn sie können einfach nicht wechseln. Einen Einkauf für einen Dollar zu tätigen und mit einem Fünfdollarschein bezahlen zu wollen ist schlicht naiv und wird bestenfalls als Spinnerei angesehen. Unter den Ecuadorianern selbst verursacht das keine Probleme, da eben jeder immer nur ein paar Münzen besitzt, die er ständig ausgibt und von anderen wieder kassiert; der arglose Tourist, dem die Bank zu Hause womöglich noch 20er- oder 50er-Scheine mitgegeben hat, ist jedoch äußerst schlecht beraten. Es ist deshalb unabdingbar, den ignoranten Bankangestellten dazu zu nötigen, sämtliches Bargeld in Eindollarnoten herauszugeben.