Ecuador 6 – Wie tarne ich mich als Ecuadorianer?

Da natürlich nicht alle Eigenschaften dieser Menschen genetisch bedingt sind, gibt es einige Verhaltensweisen, die erlernbar sind und einem zugute kommen könnten, wenn man sich in Ecuador vor der kolumbianischen Drogenmafia, der CIA oder anderen terroristischen Organisationen verstecken will. Sollten Sie persönlich jedoch in Ecuador selbst ein paar größere Verbrechen begangen haben, seien Sie unbesorgt – wahrscheinlich wählen die Leute Sie zum nächsten Präsidenten. Erfüllen Sie also einige oder am besten alle der oben aufgeführten genetischen Vorteile, so richten Sie sich nach den folgenden zehn Verhaltensregeln und die Einwohner werden Sie als einen der ihren ansehen.

Schaffen Sie sich eine Großfamilie an. Erzählen Sie allen, Sie wären 25 Jahre alt, in zweiter Ehe verheiratet und hätten zehn Kinder und drei Enkelkinder. Färben Sie Ihre Haut mit Schuhcreme oder Schmutz dunkel oder gehen Sie vor Ihrem Ecuador-Aufenthalt täglich fünf Stunden ins Sonnenstudio. Spucken Sie alle paar Minuten voller Inbrunst auf die Straße.
Kaufen Sie sich ein Haus, das aus einigen unsauber zusammengenagelten, fauligen Brettern besteht – ohne Möbel, Küche oder WC. Wer untertauchen will, muss unauffällig bleiben und auf solchen Luxus eben eine Weile verzichten. Ihren Fernseher und DVD-Player sollten Sie hingegen unbedingt mitnehmen. Jeder anständige Ecuadorianer kauft sich von seinem ersten Jahreslohn eines dieser Geräte, anstatt das Geld für Schuhe, Medizin oder einen stabilen Fußboden zu verschwenden.
Singen Sie sämtliche Ecuador-Songs auf der Straße, im Bus oder in den Bars laut mit, aber immer um mindestens einen Halbton daneben.
Begrüßen Sie Touristen stets überschwänglich; bieten Sie Ihnen eines Ihrer Kinder zur Adoption an und empfehlen Sie Ihr Taxi (bzw. Boot), das Hotel Ihres Bruders und das Restaurant Ihrer Schwiegermutter. Wenn sie Fragen stellen („Geht es hier links zur Post?“, „Geht es hier rechts zur Post?“, „Um wie viel Uhr kommt der Bus?“, „Was suchen Sie in meinem Rucksack?“) antworten Sie mit einem einfachen „Si, si, claro!“, oder setzen ein stummes, freundlich-debiles Lächeln auf.
Sonderregel: US-Bürger zählen nicht als Touristen, sondern sind Spottobjekte, die der allgemeinen Belustigung von Passanten dienen. Fragen Sie beim ersten Kontakt mit einem Ausländer deshalb immer zuerst nach seiner Nationalität. Zu Europäern und Asiaten siehe Punkt 6; haben Sie aber einen waschechten Gringo enttarnt, rufen Sie schnell Ihre Freunde und Verwandten, damit die auch etwas zu lachen haben!
Besorgen Sie sich eine Machete, ein großes, langes Messer oder ein Maschinengewehr, das Sie immer mit sich herumtragen. Auch wenn Sie niemanden damit verletzen – Sie fallen so einfach weniger auf. Werfen Sie Ihren Müll nicht in den dafür vorgesehenen Behälter, sondern benutzen Sie den Mülleimer, der nie voll wird, nämlich den Wald, den Fluss, die Straße oder die Weide hinter Ihrem Haus. Verschwenden Sie nicht Zeit oder Geld für ein albernes Plumpsklo, sondern benutzen Sie die Toilette die nie voll wird, nämlich den Wald, den Fluss, die Straße oder die Weide hinter Ihrem Haus.