Ecuador 5 – Die genetischen Vorteile eines Ecuadorianers

Das Macheten-Gen  

Das Macheten-Gen sorgt für die Ausbildung des Wunderwerkzeugs am Ende der rechten Hand sowie für die nötigen Muskeln und Sehnen im Arm, damit ein unbeschwerter Umgang mit der Machete gewährleistet ist. Außerdem garantiert es die Fähigkeit, auf den Millimeter genau und im richtigen Winkel zuzuschlagen. Um keine Verletzungen zu verursachen ist die Machete bei der Geburt noch sehr klein und stumpf, wächst dann aber innerhalb kurzer Zeit zu voller Größe heran.

Das Lederhand-Gen

Dieses Gen verleiht Hände, die dicker und unempfindlicher sind als Elefantenhaut. Die Vorteile liegen sprichwörtlich auf der Hand: Sowohl das Jonglieren mit Machetenklingen als auch der Umgang mit Stacheldrahtrollen und meterlangen Bambusdornen stellen mit solchen Pranken kein Problem dar. Die Hand eines Ecuadorianers ist deshalb Garant für eine ordentliche Arbeit und zählt im Gegensatz zu weltfremden und nutzlosen Fähigkeiten wie Schreiben oder Rechnen sehr viel bei einem Bewerbungsgespräch.

Das Anti-Trägheits-Gen

Das Anti-Trägheits-Gen ist das ausgefallenste und auch wirkungsvollste Gen, setzt es doch die grundlegenden Gesetze der Physik außer Kraft. Es sorgt für nichts Geringeres als das Transferieren der gesamten Körpermasse in einen anderen Energiezustand. Fährt zum Beispiel ein mit Ecuadorianern voll beladener Jeep gegen einen Baum, einen Bus oder in einen Abgrund, so purzeln all die Leute zwar heraus, landen jedoch auf wundersame Weise auf den Füßen ohne vornüberzufallen und sich zu verletzen. Die busbegleitenden Kontrolleure haben aus dieser Fähigkeit sogar ihren Beruf gemacht, können sie doch von einem fahrenden Bus abspringen, einige Passagiere anwerben, sie im Bus verstauen, Fahrgeld kassieren und wieder aufspringen, ohne dass die Fahrt dadurch verlangsamt würde. Ihre Technik sieht dabei etwa folgendermaßen aus: Vor allem bei voll beladenem Fahrzeug (also fast immer) steht der Kontrolleur mit der linken Zehenspitze in der Tür – die Hand derselben Seite umklammert deren Rand – während der rechte Fuß trittbereit über der mit 90 km/h dahinrasenden Straße hängt und die freie Hand die werbenden Rufe nach Passagieren gestisch untermauert. Hat er einen Kunden oder auch einen geeigneten Laden für einen schnellen Einkauf erspäht, lehnt er sich in einem absurden Winkel von etwa 30° zurück, zieht den sicheren Fuß aus der Tür und lässt sich fallen; im nächsten Augenblick läuft er bereits lässig auf der Straße als wäre nichts geschehen. Von Nachahmungsversuchen sei dringend abgeraten; wenn die genetische Voraussetzung fehlt, genügt ein laut gebrülltes „Gracias“ und der Bus wechselt kurz in ein Tempo, bei dem man unversehrt abspringen kann.