Ecuador 4 – Der gemeine Ecuadorianer

 

Dunkle Haut

Als bleichgesichtiger Besucher werden Sie in Ecuador bald feststellen, dass Sie wohl genauso blass wieder abreisen werden wie Sie angekommen sind, denn es ist so gut wie unmöglich in die-sem Land braun zu werden, es sei denn Sie gehen nach Muisne und versinken dabei im Matsch. Der Grund, warum die Sonne niemals zu sehen ist, liegt schlicht darin, dass sich entweder Bäume oder Wolken, meistens aber beides, davor befinden. Dem aufmerksamen Beobachter drängt sich natürlich die Frage auf: Warum haben Ecuadorianer trotzdem dunkle Haut? Sicher, die Hautfarbe wird vererbt, aber welchen Sinn hat eine solche Erbanlage, wenn die Sonne sowieso nie scheint? Trotz ausführlicher Recherche konnte diese Frage leider nicht geklärt werden. Für entscheidende Hinweise ist deshalb eine Belohnung von 20 Chiclets ausgesetzt (siehe Geld).

Gummistiefel

…sind überlebenswichtig, denn allein sie verhindern, dass man bis zu den Knien im Schlamm versinkt, von Sturzbächen weggespült und von giftigen Stachelfischen aufgespießt wird. Dummerweise haben die einzigen Stiefel, die man in Ecuador kaufen kann, keine praktische Fußform, sondern sind nahezu quaderförmig und verwandeln die Füße in wenigen Tagen zwangsläufig in unansehnliche und schmerzhafte Fleischklumpen. Die Sohle ist darüber hinaus so fest und stabil wie eine Aldi-Plastiktüte, so dass jeder unbedachte Tritt auf Wurzeln oder Steine mit einer Zerrung enden kann. Der Hersteller VENUS, eine Art Microsoft unter den Schuhfirmen, hält nach wie vor das ecuadorianische Gummistiefelmonopol und wird seine Meinung wohl erst ändern, wenn man die Verantwortlichen zwingt, den Chimborazo in ihrem eigenen Produkt zu besteigen. Waschechte Ecuadorianer bleiben von diesem Problem allerdings verschont, denn sie werden bereits mit rechteckigen Füßen geboren.

Macheten

Ecuador wird zwar gemeinhin als Entwicklungsland eingestuft, jeder lernfähige Besucher muss aber bald einsehen, dass uns die Ecuadorianer in einigen Punkten technisch weit überlegen sind. Dies äußert sich vor allem in der unnachahmlich effizienten und vielfältigen Anwendung der Machete. „Machete“, das klingt primitiv, ja barbarisch und roh, dabei verbirgt sich hinter diesem plumpen Begriff ein einzigartiges Multifunktionsgerät, gegen das das beste Schweizer Taschenmesser ein vorsteinzeitliches Utensil ist. Eine einzige Machete im Haushalt ersetzt jegliche Messer, Beile, Spaten, Brieföffner, Zahnstocher, Schraubenzieher, Rasenmäher, Sägen, Rasierapparate und auch alles andere. Wozu ein Deutscher also eine Einbauküche, ein Bad und einen Geräteschuppen braucht, benötigt ein Ecuadorianer lediglich seine Machete (die Küche, das Bad und den Schuppen braucht er allerdings trotzdem, um alle seine Kinder darin unterzubringen).
Man ist sich mittlerweile sicher, dass Ecuadorianer mit Machete geboren werden, denn jeder besitzt mindestens eine, die er immer dabei hat, wohin er auch geht. Macheten kann man deshalb fast nirgends kaufen – es hat sowieso schon jeder welche. Echte ecuadorianische Macheten erkennt man an ihrem rot- oder orangefarbenen Griff und der leicht gebogenen, etwa 40 Zentimeter langen rostfarbenen Klinge, die stumpf genug ist, um sich nicht zu verletzen, aber auf wundersame Weise immer noch so scharf, um damit Bäume mit einem Schlag fällen zu können.