Ecuador 2 – Einreise

Nach Ecuador einzureisen stellt, sofern man ein Ticket bekommt, im Grunde kein Problem dar; es empfiehlt sich nur sehr, Kolumbien unterwegs zu meiden. Sicherlich bietet Kolumbien einige der schönsten Landschaften überhaupt und es gibt dort allerlei zu entdecken, aber wenn Sie wirklich sichergehen wollen, dass Sie auch dort ankommen, wo Sie hinwollten (und wann Sie es wollten), beherzigen Sie nur einen Ratschlag: Gehen Sie nicht dorthin. Auch nicht, wenn Ihr Flugzeug nur in Bogotá zwischenlanden soll – tun Sie es nicht! Sobald Sie kolumbianischen Boden unter den Füßen beziehungsweise Rädern haben, sind die Gesetze der Kausalität nicht mehr gültig und wenn es Murphy, den Autor der gleichnamigen Gesetze, wirklich gegeben hat, dann steht eines fest: Er war Kolumbianer. Fliegen Sie also lieber über Buenos Aires oder Miami nach Quito, das dauert zwar offiziell länger, geht in Wahrheit aber unendlich viel schneller. Sollten Sie dummerweise doch einmal in Bogotá landen, passiert höchstwahrscheinlich folgendes: Zunächst werden Sie gebeten auszusteigen, damit das Flugzeug gewartet werden kann. Vom Flughafenpersonal erfahren Sie dann, dass die Wartungsarbeiten bis zum nächsten Morgen dauern und Sie in einem Hotel am anderen Ende der Stadt übernachten werden. Dazu müssen Sie natürlich den Flughafen verlassen, was ein paar Formalitäten wie Verhöre und Leibesvisitationen erfordert. Nachdem Sie den Hotelangestellten zufällig auf der Straße gefunden und dazu überredet haben, Sie zum Hotel zu fahren, er die Schlüssel von seinem Schwager geholt hat und der Polizeieinsatz zur Niederschlagung eines spontanen Trommelzuges erfolgreich abgeschlossen ist, kann es losgehen. In einer Art Kleinbus, der einem Leichenwagen verdächtig ähnlich sieht, flitzen Sie einige Zeit lang über die Straßen von Bogotá, weichen Schlaglöchern und Militärkontrollen aus und überfahren jede Menge rote Ampeln. Eine rote Ampel ist in Kolumbien so etwas wie eine freundliche Empfehlung, ein Hinweis, dass möglicherweise noch andere Autos die betreffende Kreuzung befahren könnten. Anders wäre der Verkehr auch gar nicht zu organisieren, denn die Polizei hat wahrlich Wichtigeres zu tun als jemanden zu verhaften, der über eine rote Ampel gefahren ist. Damit Sie sich ganz wie zu Hause fühlen, steckt man Sie in ein auf  Deutsch getrimmtes Hotel mit Bundesadler an der Tür sowie der Aufschrift „Das Frühling“. Versuchen Sie dort aber gar nicht erst, das Angebot „Freier Internetzugang“ zu nutzen; die erste Frage, die man Ihnen dann stellen wird ist, ob Sie auch Ihren Computer dabeihaben. Nach dem Einchecken im Hotel erhalten Sie eine Karte mit Ihrer Zimmernummer, die irgendein Angestellter mit einer bis zur Unleserlichkeit krakeligen Schrift daraufgemalt hat. Außerdem ist zu bedenken, dass die Zahl Drei in Kolumbien aus unerfindlichen Gründen manchmal fünf bedeutet, beziehungsweise der obere waagerechte Strich der Fünf nach links statt nach rechts zeigt. Sehr wahrscheinlich existiert in Bogotá eine mathematisch-fundamentalistische Untergrundorganisation, die jeden erschießt, der eine Fünf schreibt. An der Zimmertür angekommen, gibt es nun zwei Möglichkeiten. Entweder haben Sie sich wegen den vertauschten Zahlen und der Sauklaue des Portiers geirrt und es handelt sich gar nicht um Ihr Zimmer, oder aber die Tür öffnet sich tatsächlich. In letzterem Fall jedoch wollte das Hotel meistens Geld sparen und hat Sie in einem bereits belegten Zimmer untergebracht, so dass Sie von einem wütenden Kolumbianer ohne Hosen wieder nach draußen verwiesen werden. In beiden Fällen gehen Sie natürlich zurück zur Rezeption und verlangen ein anderes Zimmer, was Ihnen abermals nur die beiden obigen Möglichkeiten eröffnet. Fragen hilft leider auch nicht weiter, da die Terrormathematiker selbst das bloße Aussprechen einer Fünf verboten haben und das Personal deshalb beteuert, es handle sich tatsächlich um eine Drei und die richtige Tür werde sich jetzt ganz bestimmt öffnen. Nach drei bis vier solcher Wanderungen zwischen der verschlossenen Tür und der Rezeption geben Sie schließlich auf und versuchen sich mit dem Gedanken anzufreunden, auf dem Flur zu übernachten. Mit etwas Geduld und Hintergrundwissen um die vertauschten Zahlen muss es dazu allerdings nicht kommen. Probieren Sie einfach alle Türen aus, die gemeint sein könnten. Haben Sie beispielsweise die 303 wären das außerdem noch die 305, 503 und 505. Hinter einer der Türen finden Sie endlich die wohlverdiente Ruhe (sofern Sie nach dem ganzen Stress überhaupt einschlafen können). Am nächsten Morgen stellen Sie dann fest, dass Sie entgegen der Versprechungen des Personals nicht geweckt wurden (dafür aber vermutlich der Mensch in Zimmer 303), es kein Frühstück für Sie gibt und dass Ihr dreiminütiges Telefongespräch und das Mineralwasser aus der Minibar Sie umgerechnet 15 Dollar kosten – ein Wucherpreis, wenn man bedenkt, dass ein Auftragsmord nur unwesentlich teurer ist. Also heißt es anstellen, zahlen, ab in den Leichenwagen und zurück zum Flughafen gebrettert. Dort angekommen, gilt es noch die letzte Hürde zu überwinden: ins Flugzeug zu gelangen. Die nicht gerade zimperlichen Kontrollgarden gehören zu den besten ihres Fachs und finden mit Sicherheit jede gefährliche Waffe vom Zahnstocher bis zum Bleistift sowie die dem morgendlichen Zigarettenkonsum geschuldeten Tabakkrümel auf Ihrer Jacke. Denken Sie also gar nicht daran, das ominöse Päckchen mitzunehmen, das Ihnen ein freundlich bittendes Mädchen vor dem Abflug für seine Schwester mitgeben will; das Militär interessieren solche Geschichten eher wenig. Was würden Sie auch sagen, wenn Ihr teuer angebautes Kokain einfach so außer Landes geschmuggelt würde und Sie deshalb auf eine fesche neue Uniform verzichten müssten? Haben Sie also keine Angst, wenn Sie sich korrekt verhalten, werden Sie wahrscheinlich nicht erschossen. Seien Sie freundlich zum Personal, auch wenn Sie eine Maschinengewehrlänge Abstand halten müssen und nur auf finstere Sonnenbrillen in steinernen Gesichtern blicken. Begrüßen Sie alle per Handschlag, fragen Sie nach der Familie und wie es denn sonst so geht. Das bringt diese armen Menschen dermaßen durcheinander, dass Sie unkontrolliert passieren dürfen, verhindert aber dennoch nicht, dass Sie bei der nächsten Kontrolle jede Ihrer Unterhosen aus dem Gepäck einzeln vorzeigen müssen. Am besten Sie erzählen zu jeder eine kleine Geschichte, wie Sie zu dem Stück gekommen sind und was Sie damit schon alles erlebt haben; man wird Ihnen die gelungene Abwechslung des grauen Flughafenalltags danken. Wenn Sie sich dann von den Jungs verabschiedet haben und im Flugzeug sitzen, können Sie eigentlich nur noch hoffen, dass die Startbahn tatsächlich in den versprochenen 30 Minuten repariert sein wird (Sie wissen ja, eventuell sind auch 50 Minuten gemeint) und dass Ihr Gepäck sich inklusive Unterhosen mittlerweile ebenfalls in der Maschine befindet. Und wenn Sie ein ganz gewiefter Typ sind, vertreiben Sie sich jetzt die Zeit mit dem interessanten Päckchen, welches Sie erfolgreich mit ins Flugzeug geschmuggelt haben und das Sie nach Ihrer Ankunft natürlich nicht an die Schwester des naiven Mädchens vom Flughafen weitergeben werden.