Ecuador 10 – Führerscheinprüfung für ecuadorianische Busfahrer

Theoretischer Teil

A) Ihr Bus ist zum Bersten voll und Sie haben unter dem Fahrersitz gerade noch Platz für eine weitere Person. Am Wegesrand stehen ein kolumbianischer Paramilitär, eine alte Frau mit einem Sack voll Hühnern und eine Schulklasse aus Guayaquil. Was tun Sie?

  1. Weiterfahren, um die Sicherheit der Fahrgäste nicht durch Überlastung zu gefährden.
  2. Den Paramilitär mitnehmen und ihm fünf Dollar abknöpfen.
  3. Den Sack voll Hühner mitnehmen und für jedes Huhn 50 Centavos Fahrgeld verlangen. Die Hühner verkaufen Sie später in Otavalo für zwei Dollar pro Stück.
  4. Sie stecken die alte Frau ins Gepäckfach unter dem Bus, setzen sich auf den Sack mit den Hühnern, platzieren den Paramilitär vorne auf der Stoßstange und die Schulklasse auf dem Dach. Dann berechnen Sie allen je eine Fahrkarte und Trinkgeld für den Aufwand.

B) Ihre Windschutzscheibe ist durch Steine beschädigt worden und kaum noch durchsichtig. Wie reagieren Sie?

  1. Sie fahren weiter, denn Sie kennen den Weg in- und auswendig.
  2. In diesem Zustand können Sie den Bus unmöglich weiter benutzen.
  3. Sie bitten Ihren Kontrolleur, sich in die offene Tür zu stellen und bei Gefahr genauere Anweisungen zu geben.
  4. Da die Heckscheibe noch in Ordnung ist, fahren Sie einfach rückwärts und sehen sich ab und zu um.
    Sie bitten die Fahrgäste auf dem Dach um Zurufe („rechts“, „links“, „bremsen!“, …)

C) Sie wollen eine Brücke überqueren und stellen fest, dass sowohl das Geländer als auch einige der Bodenbleche fehlen. Wie gehen Sie vor?

  1. Sie fahren so vorsichtig wie möglich darüber. Ängstliche Fahrgäste kommen zu Fuß nach und
    werden ausgelacht.
  2. Sie nehmen einen anderen Weg, auch wenn dieser fünf Stunden länger dauert; das Risiko ist
    es nicht wert.
  3. Sie zeigen den Passagieren einen Actionfilm voll brutaler Gewalt und Sexszenen, damit sie abgelenkt sind. Dann brettern Sie mit Tempo 100 über die Brücke. Je schneller Sie fahren, desto kürzer dauert schließlich die Gefahr.
  4. Sie bedecken die Löcher im Boden mit Bestandteilen von Ihrem Bus und sammeln sie nachher wieder ein. Außerdem bitten Sie die Schulklasse aus Guayaquil, die Sie bei Frage 1 mitgenommen haben, die Stabilität der Brücke zu prüfen und sich als gut sichtbare Leitplanke zu formieren.

D) Sie sind bereits sieben Stunden in den Bergen unterwegs und einige der empfindlicheren Fahrgäste klagen über Übelkeit. Welche Konsequenzen ziehen Sie daraus?

  1. Sie zeigen den Gringos, was sie für Weicheier sind, indem Sie noch weitere sieben Stunden durch die Berge fahren, ohne müde zu werden.
  2. Sie verriegeln die Tür zwischen Fahrersitz und Passagierraum und überlassen die Fahrgäste ihrem Schicksal.
  3. Sie verteilen pro Person eine Kotztüte, einen Becher Cola und einen salzigen Keks und verlangen dafür nachher einen Dollar.
  4. Sie lassen die Betroffenen freundlich aussteigen, damit sie frische Luft schnappen können und fahren dann schnell ohne sie weiter. Der nächste Bus kommt bestimmt.

E) Ordnen Sie folgende Bestandteile Ihres Busses nach deren Wichtigkeit

  1. Stoßdämpfer
  2. Kassettenspieler mit flotter Salsamusik
  3. Wechselgeld für die Passagiere
  4. Funktionierende Bremsen
  5. Hinweisschilder mit der Aufforderung, den Müll zur Sauberkeit des Busses aus dem Fenster zu werfen
  6. Hinweisschilder mit lustigen Sprüchen, zum Beispiel dem unschlagbaren „Jungfräulichkeit verursacht Krebs. Hier impfen wir Sie.“
  7. Scheibenwischer
  8. Bildnis der heiligen Jungfrau Maria über Ihrem Kopf
  9. Erste-Hilfe-Kasten
  10. Zwei winkende Plastikhände an Stahlfedern – macht sich gut an der Windschutzscheibe
  11. Sirene, um andere Verkehrsteilnehmer zu warnen

F) Sie fahren wie üblich gut gelaunt und schwungvoll durch die Anden und überholen auf der Gegenfahrbahn einen Kollegen, der sich partout nicht abschütteln lässt, da kommt Ihnen plötzlich ein dritter Bus entgegen. Wie reagieren Sie?

  1. Sie betätigen Ihre Sirene auf dem Dach, um zu signalisieren, dass Sie auf keinen Fall gewillt sind auszuweichen.
  2. Sie drängen Ihren Kollegen weiter nach rechts ab, damit Sie genug Platz haben.
  3. Sie geben Gas was das Zeug hält, um sich noch rechtzeitig einzufädeln.
  4. Da Ihr Bus ein „Von-Gott-gesegnet-Zertifikat“ hat (zu erkennen an der gleichnamigen Plakette über der Tür), müssen Sie sich keine Sorgen machen.

G) Der Motor Ihres Busses hat einen Defekt und scheint überhitzt. Wofür entscheiden Sie sich in dieser Situation?

  1. Sie fahren auf Teufel komm raus weiter und lassen Ihren Kontrolleur den Boden zwischen den Fahrgästen hochklappen, damit der sich unmittelbar darunter befindende Motor abkühlen kann. Außerdem sollte ihn der Kontrolleur am besten noch während der Fahrt reparieren.
  2. Damit die Belastung reduziert wird, bitten Sie die Hälfte Ihrer Fahrgäste auszusteigen. Falls sie sich weigern, wird gelost.
  3. Sobald der Motor aufgibt, suchen Sie nach Schrott am Straßenrand, den Sie als Ersatzteile verwenden können.
  4. Bergab lässt es sich rollen, bergauf wird geschoben.

H) Auf dem Pass, den Sie überqueren, herrscht so dichter Nebel, dass Sie kaum fünf Meter weit sehen können. Wie verhalten Sie sich?

  1. Sie bitten einen Passagier, die beschlagene Windschutzscheibe regelmäßig mit einem Lappen abzuwischen und vertrauen ansonsten auf Ihre Intuition.
  2. Anhand der Lichter der entgegenkommenden Fahrzeuge merken Sie sich, wo die Straße verläuft.
  3. Sie fahren ganz langsam, um nicht in den Abgrund oder auf die Gegenfahrbahn zu steuern.
  4. Sie fahren ganz schnell, damit niemand von hinten auf Sie auffährt.

I) Sie wollen bei starken Regenfällen die westliche Andenkordillere überqueren und haben bereits eine Verspätung von einer halben Stunde. Unmittelbar vor Ihnen ergießt sich eine Schlammlawine über die wegbröckelnde Straße. Was tun Sie?

  1. Da Sie offensichtlich nicht weiterkommen, machen Sie erstmal eine Pinkelpause, natürlich mit Regenschirm.
  2. Sie wenden so schnell wie möglich an einer geeigneten Stelle und fahren um Ihr Leben (und das der Passagiere, aber an die denken Sie in dem Moment nicht).
  3. Sie geben Vollgas und riskieren eine Fahrt durch den Schlamm. Entgegenkommenden Kollegen empfehlen Sie danach, sich ebenfalls zu beeilen, denn sobald die Straße wegbricht, muss ein größerer Umweg in Kauf genommen werden.