Energiewende – eine Tragödie in zehn Akten



1. Ein paar „Ökofreaks“ (So werden sie jedenfalls vom Rest der Bevölkerung zu diesem Zeitpunkt gesehen) kommen ganz altruistisch auf die Idee, dass es vielleicht eine gute Idee wäre sich von Kohlestrom (Klimawandel) und von Atomkraft (Risiko) unabhängig zu machen und den Strom auf umwelt- und zukunftsverträglicherem Wege zu produzieren. Sie werden dafür von allen anderen höchstens milde belächelt. Altstromwirtschaft sagt: „Süß, aber funktioniert nicht“

2. Den „Ökofreaks“ gelingt es zusammen mit ein paar Forschern, die so allmählich die Dimension der Sache erkennen, zu belegen, dass es durchaus funktionieren kann. Erst einmal im Kleinen, aber was im Kleinen funktioniert, könnte doch auch im Großen…Altstromwirtschaft findet das ganze schon nicht mehr so süß, eher so ein bisschen nervig und sagt: „Was im Kleinen funktioniert, funktioniert noch lange nicht im Großen und ihr glaubt doch nicht so ein paar dahergelaufenen Ökofreaks!?“

3. Die ersten gutmeinenden Politiker, Medien etc. werden aufmerksam und schlagen vor das ganze auf größerer Ebene zu versuchen. Sie werden dafür von der Altstromwirtschaft umgehend als Phantasten und Ökofreaks gebrandmarkt. Altstromwirtschaft sagt: „Und selbst wenn es funktionieren sollte, passt es doch eh nicht zu unserem Stromsystem und würde daher überhaupt kein CO2 einsparen, aber dafür hohe Kosten nach sich ziehen“

4. Partiell unfreiwillig und in völligem Unverständnis der Ausmaße wird ein Förderungssystem geschaffen, das diese nervigen Ökofreaks beruhigen soll, aber wider Erwarten und Planung tatsächlich funktioniert. Altstromwirtschaft kriegt hektische Flecken sagt: „Ja seht ihr denn nicht was das kostet? Da werden hunderttausende Arbeitsplätze in der Altstromwirtschaft verloren gehen und das alles für etwas, worüber der Rest der Welt nur lacht“

5. Es entstehen hunderttausende Arbeitsplätze in der neuen Stromwirtschaft. Die Welt lacht nicht, sondern kopiert das System. Die ersten geldgeilen Investoren drängen auf den Markt und die Freaks der ersten Stunde werden nach und nach aus selbigem gedrängt. Die Altstromwirtschaft erkennt, dass es so nicht weitergeht. und wäscht plötzlich grüner als grün. Zusammen mit den geldgeilen Investoren drängt sie mit auf den Markt der Erneuerbaren oder tut zumindest öffentlichkeitswirksam so. Von der Politik werden beide freudig begrüßt, denn diese komischen Ökofreaks sind der Politik irgendwie nicht geheuer, die machen das ja nicht nur um Geld zu verdienen, sondern aus Überzeugung – völlig unberechenbar solche Menschen. Gleichzeitig sorgt die Altstromwirtschaft durch Kartelle und Marktmacht dafür, dass die Marktpreise für Strom trotz immer höherer Anteile von – an dieser Stelle – preissenkendem erneuerbarem Strom, immer weiter steigen. Dafür kann man ja später die Erneuerbaren Energien schuldig erklären, also kein Problem.

6. Geldgeile Investoren und findige Juristen ohne nennbare Moral finde jede Lücke im EEG, die sich nutzen lässt. Das EEG muss daher ständig nachgebessert werden und kommt doch nicht hinterher. Für die Auswüchse verantwortlich gemacht wird aber nicht etwa der Kapitalismus als Wirtschaftssystem – der genau dieses Vorgehen als Grundlage hat – sondern diese blöden Ökofreaks, obwohl die schon kaum mehr im Markt sind. Die Altstromwirtschaft verdient gut an alter und ein bisschen alibimäßig an neuer Energie, investiert aber statt in zukunftsfähige Netze oder Strukturen lieber großmannssüchtig weiter in Expansionsvorhaben in anderen Ländern. Da die Strompreise immer weiter steigen, begehrt die stromintensive Industrie auf. Statt mal bei der Altstromwirtschaft zu fragen, warum eigentlich genau die Marktpreise immer weiter steigen, werden die Betriebe kurzerhand von der EEG-Umlage befreit und wo man schon mal dabei ist auch noch alle möglichen Betriebe, bei denen das überhaupt nie nötig war.

7. Die EEG-Umlage für den Normalbürger nimmt immer weiter zu, da ja nun die Großverbraucher kaum mehr zahlen müssen. Ein guter Moment für die Altstromwirtschaft endlich die blöde Photovoltaik los zu werden. Denn die lässt sich nun wirklich kaum zentral machen und ist kurz davor konkurrenzfähig zu werden. Außerdem ist die politische Gelegenheit günstig und die deutschen Unternehmen durch staatlich aggressiv unterstützte Konkurrenz aus China angeschlagen. Gleichzeitig mit einer überfallartig radikalen Senkung der Photovoltaik-Vergütung wird – huch – die Vergütung für offshore-Windkraft immer weiter erhöht. Denn die lässt sich zentral machen und hier wurden durch jahrelanges geschicktes Verzögern und Taktieren alle kleineren Konkurrenten aus dem Feld gedrängt.

8. Gerade noch rechtzeitig wurde die Photovoltaik gekürzt, der deutsche Solarmarkt bricht zusammen und die Strukturen werden zerschlagen, hunderttausende Arbeitsplätze gehen verloren, die Altstromwirtschaft macht sich ein Sektchen auf, bzw. würde das gerne tun. Nur leider sind all die Expansionen aus Punkt 6. fast alle gründlich daneben gegangen, die Netze am Verrotten und die Altanlagen lohnen kaum mehr. Dann auch noch Fukushima (sehr ärgerlich…) – womit wieder ein Punkt der Ökofreaks bewiesen wäre – aber die Ökofreaks bleiben natürlich trotzdem Freaks, wo käme man denn sonst hin, und wirklich gemacht hats am Ende doch die Merkel. Die hat schon Weitsicht die Merkel! Kurz: Nichts passt mehr zusammen, da die Netze statt intelligent mit strohdoof noch freundlich bezeichnet sind, nicht an Speicher gedacht wurde und immer noch alle möglichen Altkraftwerke laufen, die einstmals mit Milliarden subventioniert Grundlast produzieren, die schon ewig kein Mensch mehr braucht. Statt nun mal über Änderungen am Netz und den Großkraftwerken nachzudenken, wird fröhlich am „intelligenten Netz“ vorbeigeforscht und ganz viele Initiativen mit schönen Namen gestartet. Daneben steigt weiter die EEG-Umlage, und das tolle jetzt kann man sogar sagen: „FÜR NICHTS!“ Denn wo sind die ganzen schönen Arbeitsplätze aus der Solarwirtschaft hin? Richtig: Nach China oder gleich ganz weg! Denn Deutschland war doch eh nie konkurrenzfähig. Und dafür haben wir hier jetzt die ganzen Investitionsruinen an Photovoltaik-Anlagen, die nicht ins Netz passen und mit denen Chinesen und böse geldgeile Investoren Milliarden, ach Billionen verdienen.

9. Womit bewiesen wäre: Ökofreaks kann man nicht glauben und jetzt muss die arme alte Trude mit ihrer Stromrechnung die gierigen Heuschrecken bezahlen und spart sich das Geld mühsam vom Mund ab. Und wer ist Schuld? Die Ökofreaks! Die Stromkonzerne und die Lobbypresse dagegen wollte immer nur das beste für uns und schlagen jetzt zusammen mit Oberteletubbi Altmaier vor das deutsche Grundgesetz zu durchlöchern und nachträglich gesetzlich garantierte Vergütungen illegalerweise zu senken um ein Problem zu lösen, das sie zusammen mit einem kaputtem Grundsystem und geldgeilen Investoren selber geschaffen haben. Damit wird dann nebenbei noch die Rechtssicherheit beerdigt – und was das für zukünftige Investitionen in Erneuerbare Energie oder irgendetwas anderes bedeuten würde kann wohl jeder problemlos ermessen…der versteckte Vorschlag ist also an Idiotie nicht zu überbieten und rein populistisch. Zumindest hofft man das.

10. Und für das große Finale werden die absichtsvollen Dilettanten dafür nicht etwa abgewählt, sondern dank erfolgreich unkritischer Presse mit einem Rekordergebnis vom Wähler belobigt. Denn zwar wird die Kritik an der angeblich fehlgeleiteten Energiewende durch ständiges Wiederholen kein bisschen intelligenter, wahrer, oder richtiger – nur leider erscheint das so. Denn was so häufig gesagt wird, da muss doch was dran sein. Und was macht die SPD, die ja irgendwie eh nie wusste wofür sie war, ist oder sein wollte? Sie nutzt die Trägheit des Momentes, um als erstes mal klarzustellen, dass eine Energiewende mit Augenmaß erfolgen sollte. Also genauer von hier bis zum Brett vor dem Kopf, das in diesem Fall aus dem Sargdeckel besteht, in den mit Kraft die letzten Nägel eingeschlagen werden. Das System gewinnt immer. Auch wenn es zu spät ist.