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Der Gipfel der Egoisten – zum G20 Gipfel in Hamburg

Wenn der G20 Gipfel etwas war, dann war er der Gipfel der Egoisten. Allen voran – natürlich – Donald Trump dessen einziger Antrieb die Mehrung des gefühlten Ichs zu sein scheint. Aber letztlich war er nur die Spitze des schmelzenden Eisbergs und die eindeutigste, weil pervertierteste Form des Egoismus. In kurzem Abstand folgt die ewig krawallig beleidigte Erdogan-Sucuk und die lokalen Vertreter des Egoismus. Olaf Scholz, der sich unbedingt als breitschultriger Gipfelgastgeber präsentieren wollte, ein Dudde an der Spitze der Polizisten, der noch jede Demoglut mit traumwandlerischer Unsicherheit zum Feuersturm anzufachen versteht und hunderte Krawallidioten, die unter dem Deckmäntelchen des Antikapitalismus einfach mal richtig was kaputtmachen wollten. Sie alle haben die Allgemeinheit auf ihre Art und in verschiedenen Größenordnungen in Geiselhaft genommen. Der eine verhindert ein gemeinsames Bekenntnis zum Klimaschutz und eigentlich allem sonst, der nächste kann nicht anders als vor- und nachzutreten, Olaf Scholz reitet mit seinem Egotrip eine ganze Stadt in Gipfelstarre und Krawalldesaster und „Dudde und die Chaoten“ diskreditieren gemeinsam normales Demonstrieren und halten ihre Schanzenfestspiele auf Kosten von Hamburg und den Hamburgern ab.

Das Bild wird abgerundet von Andreas Beuth von der Roten Flora der gerne gemütlich und ruhig (und vermutlich möglichst mietfrei) in seiner Schanze wohnen und ungestört einkaufen möchte es aber in Ordnung findet wenn solche Krawalle in Zukunft in Blankenese oder Pöseldorf stattfinden würden. Das ist so herrlich offen egozentrisch, dass man für ihn das solidarisch aus der Linken streichen kann und der konservative Wutbürger, der gegen jede Bushaltestelle eine BI gründet weil er seinen Cayenne nicht mehr parken kann, eigentlich seinem Bruder im Geiste Beifall klatschen sollte. So folgen alle ihren egoistischen Zielen und am Ende brennt die Schanze und das Klima aber von den Egoisten ist natürlich keiner schuld oder bereit Verantwortung zu übernehmen.

Nun ist es aber so, dass Egoisten immer nur Egoisten sein können wenn sich ihnen keiner entgegen stellt. Wenn die Weltgemeinschaft aus Angst vor Trump zahnlos agiert, wenn die Hamburger Grünen aus unerfindlichen Gründen stillhalten und Scholz und Dudde machen lassen, wenn tausende Schaulustige Selfies machen, Polizisten auf Befehl ihres Kein-Fußbreit-den-Demonstranten Chefs Demos abräumen bevor sie begonnen haben und Linke, erst wenn alles zu spät ist, irgendwie merken, dass da jetzt wohl doch ein/zwei rote Linien überschritten wurden, wo es eher so zehn oder mehr waren. Und so kann am Ende Donald Trump weiter sein America First Blendwerk feiern, Erdogan rumstänkern, Olaf Scholz die Polizei loben, Dudde vermutlich den nächsten ersten Mai miteskalieren, Krawallhonks ihre Selfies rumzeigen und die Bild und co. die komplette Linke unter Generalverdacht nehmen. Und dann geht in dem Bilder- und Meinungssturm verloren, dass abertausende Hamburger friedlich und bunt demonstriert haben, dass 19 von 20 Staaten erkannt haben, dass Klimaschutz nötig ist, dass ein verwirrter Volltrottel nicht die rote Flora ist und das miteinander reden tatsächlich besser ist als übereinander.

Also, ja es sollte wohl G20 Gipfel geben aber nicht auf dem Rücken einer Stadt und der Allgemeinheit. G20 auf die Insel. Donald Trump auf den Mond. Oder gleich auf die nächste Marsmission. Da hätte sein Ego einen ganzen Planeten nur für sich. Das wärs doch. Und ansonsten auf das Gemeinsam, den friedlichen Protest, danke für nichts, kommt bitte nicht wieder und tschüss.